
Am 11. Februar machten sich Dieter Vogt und Bernd Hanselmann mit 36 Teilnehmern von Frankfurt aus via Lissabon zu einer 5-tägigen Inforeise nach Madeira auf.
Die „Blumeninsel“ im Atlantik ist erstaunlich vielseitig. Historische Denkmäler und Bauwerke finden sich hier ebenso wie farbenprächtige Gärten, malerische Orte und eine spektakuläre Landschaft mit vulkanischen Grotten, hohen Bergen und atemberaubenden Steilküsten. Immer wieder geben Aussichtspunkte einzigartige Blicke über die Küste und das Meer frei.
Ebene Flächen sucht man hier fast vergebens, denn die ganze Vulkaninsel ist wie ein einzig großer Berg, der aus dem Meer ragt, und die Städte und Dörfer sind nahezu ausnahmslos in die z.T. steilen Hänge hineingebaut. Auch die Verkehrsinfrastruktur und die Landwirtschaft müssen sich an diese natürlichen Begebenheiten anpassen. So sind Serpentinen, die sich die Berge hinauf- und hinunterschlängeln, an der Tagesordnung und der Terrassenanbau ist ein untrügliches Zeichen für die landwirtschaftliche Nutzung des teils unwirtlichen und unzugänglichen Geländes.
Obwohl wir Madeira sehr zeitig im Jahr besuchten, konnten wir schon erahnen, warum die Insel den Titel „Blumeninsel“ trägt. Schon im Februar waren zahlreiche Pflanzen in Blüte und spätestens ab Mai blüht die ganze Insel und wird zu einem einzigen großes Blütenmeer mit einer unvergleichlichen Vielfalt an Farben und Formen!
Unser Reiseleiter begrüßte uns herzlich und auch der „beste Busfahrer“ der Insel stand schon bereit. Ein toller Empfang mit Willkommenscocktail und vielen köstlichen Häppchen erwartete uns in unserem 4-Sterne-Hotel. Leider hatten wir nicht viel Zeit, um dies so richtig zu genießen, denn zum Abendessen waren wir in einem Restaurant vom Tourismusverband Madeira eingeladen. In dem rustikalen Gasthof verwöhnte man uns mit einer ersten typischen Madeirenser Spezialität: Espetada (gegrilltes Rindfleisch am Spieß). Neben diversen Beilagen, Nachtisch und reichlich Wein wurde das Ganze von einer Folkloregruppe abgerundet.
Am nächsten Tag stand zuerst das Fischerdorf Camera de Lobos auf dem Programm. Wir spazierten „von oben“ entlang eines Küstenwegs hinunter ins „Dorf der Seewölfe“. Unser Reiseleiter gab uns dabei erste Infos über die Bodenbeschaffenheit bzw. Bodenschichten, die man hier sehr gut sehen konnte. Unten angekommen konnte wir im pittoresken Hafen einige Fischer beobachten, die bereits den Bacalhau (Stockfisch) zum Trocknen aufhängten. Nachdem wir kurz in die reizvolle Dorfkirche schauten, ging es zur höchsten Steilküste Europas dem Cabo Girao. Vom ca. 580 m Aussichtspunkt hatte man einen beindruckenden Blick „nach unten“, aber auch über den ganzen Küstenstreifen.
In Madalena do Mar besichtigten wir anschließend eine Bananenplantage. Eindrucksvoll wurde uns die Plantage und die einzigartige „kleine“ Banane(npflanze) näher gebracht. Nach der kurzen Besichtigung einer Zuckerrohrmühle durfte eine Kostprobe des „Ponchas“ (eine Mischung aus Zuckerrohrschnaps, Honig und Zitronensaft) natürlich nicht fehlen. Bei herrlichem Sonnenschein und T-Shirt-Wetter fiel es dem ein oder anderen Teilnehmer dann etwas schwer, sich wieder aus den Sitzen zu erheben.
Weiter ging es „quer“ über die Insel nach Porto Moniz, dem ehemaligen Walfangzentrum. In einem gemütlichen Restaurant, von den bekannten Meerwasserschwimmbädern und vulkanischen Felsen umgeben, nahmen wir bei tollem Blick auf das aufbrausende Meer das Mittagessen ein - ein tolles Erlebnis! Bei der Rückfahrt zum Hotel hatten wir noch einen Stopp in Sao Vicente. Ein sehr interessantes Städtchen, in dem auch das Vulkanismus-Zentrum beheimatet ist. Vom Aussichtspunkt Miradouro da Encumeada konnten wir ein paar Blicke ins Innere der Insel und auf die nördliche Küste werfen. Am Abend wurde ein 5-Sterne-Hotel besichtigt bevor das Abendessen in Form eines leckeren Büfetts eingenommen wurde. Zum Abschluss des Tages „mussten“ wir unbedingt noch mal einen weiteren, typischen „Poncha“ in einer Bar an der Standpromenade probieren. Es gibt etliche Varianten von diesem sehr schmackhaften „Nationalgetränk“.
Am dritten Tag ging es dann zunächst in Richtung Osten. Wir besuchten am Morgen Camacha. Das hübsche kleine Dorf ist vor allem als „Dorf der Korbmacher“ bekannt. Während der Besichtigung einer Korbflechterei konnte man hunderte Produkte sehen, die aus der Korbweide hergestellt werden. Danach ging es auf den Pico Arieiro, der mit 1818 m zweithöchste Berg und gleichzeitig der beste Aussichtspunkt der Insel. Bei der Auffahrt konnte die Gruppe die großen Schäden, die ein Feuer im August 2010 angerichtet hatte, sehen. Hier versucht man jetzt mit schneller Aufforstung sowie einem Weideverbot für Schafe ab einer gewissen Höhe noch größere Erosionsschäden zu vermeiden. Leider hatten wir mit dem Wetter kein Glück, die normalerweise grandiose Aussicht wurde uns vom Nebel verwehrt.
Wir fuhren über Ribeiro Frio, wo wir einen kurzen Stopp an einer Forellenzucht machten, ins nordöstlich auf einem Hügel gelegenen Faial. Hier fand zu dieser Zeit das Cherimoya Fruchtfestival Festa da Anona statt. Die Frucht wächst in dieser Gegend besonders gut und verbreitet sich fast wie Unkraut. Neben einer Ausstellung gab es im ganzen Dorf viel Unterhaltung und typisches Marktgeschehen. An jeder Ecke duftete und brutzelte es und man sah u.a. die traditionell mit einem Lorbeerstab zubereiteten Espetada-Spieße.
Nach etwas Freizeit ging es dann weiter nach Santana. Der Ort wird oft als „schönstes Dorf Madeiras“ bezeichnet. Die bunt bemahlten, strohgedeckten Häuser und die schön angelegten blumengeschmückten Wege sind häufig auf den Postkarten zu bewundern. Das Mittagessen fand auf einem typischen Agriturismo in der Nähe statt. Durch das regnerische und neblige Wetter konnte man leider nur annähernd die traumhafte Lage an der Nordostküste erkennen. Nach dem köstlichen Essen ging es vorbei an Porta da Cruz, das von Weinbergen und Zuckerrohrplantagen umgeben ist, über den 620 m hohen Portela-Pass zum Pico do Facho. Die Auffahrt und das Wendemanöver des Busses war beeindruckend! Eine Besichtigung auf dem größten Milchviehbetrieb der Insel war unser nächster Programmpunkt. Man fühlte sich hier teilweise um Jahrzehnte zurückversetzt. Sehr viele Arbeiten werden noch in echter Handarbeit von mehreren Arbeitern erledigt. Die landschaftlichen Gegebenheiten für die Milchwirtschaft sind auf der Insel sehr schwierig. Es bleibt eigentlich nur der Import vom Festland.
Zum Abschluss des Tages staunten die Teilnehmer nicht schlecht, als ein 4-Sterne-Hotel in Canico de Baixo in toller Lage am Meer und der Promenade besichtigt wurde, das noch eine einzige Baustelle war. Mit Helmen und Warnwesten wurde der Umbau inspiziert und auch zwei „Musterzimmer“ besichtigt. Inzwischen ist es fertiggestellt. Am Abend hatte unser Hotel eine Überraschung vorbereitet. Aus einem kleinen Empfang an der Bar wurde ein „Poncha-Kurs“. Jeder Teilnehmer durfte selbst Hand anlegen und die Zutaten zusammenmixen. Mmmm lecker! Zum Abendessen wurde wiederum keinen Aufwand gescheut und eine lange Tafel extra für die Gruppe eingedeckt. Das Essen war vorzüglich und somit ging ein weiterer Reisetag stilvoll zu Ende.
Bei strahlendem Sonnenschein besuchten wir am letzten Programmtag zuerst eine Baumschule. Unser fast schon allwissender Reiseleiter konnte uns wieder mal alle Pflanzen und Arbeitsgänge erklären. Auch beim Besuch eines großen privaten Gemüseanbau- und Pflanzenzuchtbetriebs blieb keine Frage offen. In herrlicher Lage, mit Blick aufs Meer, zeigte uns der Chef persönlich seine stattlichen 9 ha Anbaufläche, u.a. mit Gewächshäusern. Anschließend ging es nach Funchal, das natürlich nicht fehlen durfte.
Die Hauptstadt der Insel mit ihren gut 105.000 Einwohnern ist ebenfalls an und in den Hang gebaut. Es ist das touristische und wirtschaftliche Zentrum Madeiras. Wir besuchten zunächst eine traditionelle Stickerei und die bekannte Markthalle. Am Nachmittag machten wir uns zu einer kurzen Stadtbesichtigung (Rathaus und Kathedrale) auf und probierten den bekannten Madeirawein in der ältesten Kellerei der Insel.
Mit einer Seilbahn ging die Auffahrt nach Monte vonstatten. Wunderbare Ausblicke auf den Hafen, die Stadt sowie die verschiedenen Terrassen und Straßen beeindruckten hier am meisten. Oben angekommen besuchten wir die Kirche Nossa Sehora do Monte bevor es mit den traditionellen Korbschlitten rasant und mitunter etwas waghalsig hinunter nach Livramento ging. Von hier aus brachte uns der Bus dann wieder einmal über Serpentinen zum Aussichtspunkt Eira do Serrado. Der fantastische Ausblick über das verschlafene Kraterdörfchen Curral deas Nreiras („Nonnental“) entschädigte uns für die kurvenreiche Anfahrt. Am späten Nachmittag genossen die Teilnehmer den Ausblick vom Pico dos Barcelos über die Stadt Funchal. Abends besichtigten wir noch ein Hotel ehe wir den Tag bei einem gemütlichen Abendessen ausklingen ließen.
Am fünften Tag erfolgte bereits morgens der Transfer zum Flughafen. Schade, denn es hätte mit Sicherheit noch einiges zu erkunden gegeben wie die „Levadas“ (Bewässerungsgräben), den „Jardim Botanico“ (botanischen Garten), den „Jardim Tropical“ und vieles mehr.
Nach herzlicher Verabschiedung hieß es nun, „Adeus“! Der Rückflug erfolgte wieder via Lissabon nach Frankfurt, wo alle wohlbehalten und mit vielen Eindrücken am späten Nachmittag ankamen. In einem waren sich alle einig: Madeira ist auf jeden Fall einen Reise wert!
Was die touristische Infrastruktur angeht, so gibt es zahlreiche Hotels, die vom Standard und vom Komfort her keine Wünsche offen lassen. Die Straßen sind teils eng und sehr kurvenreich, so dass auch für geringe Entfernungen mehr Zeit eingeplant werden muss. Bei den örtlichen Busfahrern sind Sie aber in besten Händen.
Es gibt ab mehreren deutschen Flughäfen Direktflüge nach Funchal, allerdings nicht an jedem Wochentag (alternativ Umsteigeflug via Lissabon). Da die Flugpreise im Gegensatz zu anderen europäischen Zielen auch etwas höher sind, ist eine 8-Tages-Reise empfehlenswert.
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