Litauen - überraschend anders
„Sveiki atvykę į Lietuvą - Herzlich Willkommen in Litauen!“
Ein herzlicher Empfang ist einem im größten der drei baltischen Länder auf alle Fälle sicher. Im Gegensatz zu anderen Ländern gilt die litauische Integrationspolitik als vorbildlich und das Zusammenleben mit den hier ansässigen Minderheiten wie Polen, Russen und Weißrussen funktioniert problemlos. Auch Touristen gegenüber präsentiert sich Litauen als ein äußerst gastfreundliches Land! Davon durfte auch ich, Stefan Zitzmann, mich nun im Rahmen meiner Inforeise nach Litauen überzeugen lassen.
In vielen Staaten Osteuropas, die einst der Sowjetunion angehörten, lässt sich zum Teil bis in die heutige Zeit beobachten, dass die Leute auf den Straßen mit einem eher grimmigen Gesichtsausdruck herumlaufen. Nicht so in Litauen, wo einem immer wieder ein freundliches Lächeln begegnet. Die Litauer selbst bezeichnen sich auch als die „Italiener des Baltikums“ und dies nicht nur aufgrund der geographischen Lage als südlichste der drei Baltenrepubliken, sondern eben auch aufgrund ihres vergleichsweise sonnigen Gemüts. Der Italiener im Litauer kommt allerdings auch im Straßenverkehr durch, wo lautes Hupen und kreative Überholmanöver durchaus zum Alltag gehören.
Zum Glück sind die Hauptstraßen in einem guten Zustand und die Verbindung zwischen Vilnius, Kaunas und Klaipeda ist bestens ausgebaut. Trifft man auf den Straßen nur selten auf Schlaglöcher, so irritieren am Straßenrand schwarze Löcher auf den Verkehrszeichen mit rotem Dreieck. Tun sich auf der Straße etwa mysteriöse schwarze Löcher auf, in denen Verkehrsteilnehmer auf nimmer Wiedersehen verschwinden? Nun, das kann passieren, ist aber nicht sehr wahrscheinlich... Eigentlich heißt das Schild nur „Achtung, Gefahrenstelle“. Auch die Hirsche oder Menschen auf den Achtungsschildern wirken wesentlich dynamischer als die in Deutschland und scheinen in Litauen mit noch größerem Tempo auf die Straße zu springen (zumindest wenn man den Abbildungen glauben schenken darf)...
Die Wirtschaftskrise hat auch Litauen, wie viele osteuropäische Länder, besonders hart getroffen. War vor der Krise das Thema Arbeitslosigkeit eigentlich nicht präsent, so ist inzwischen fast jeder Fünfte ohne Arbeit. Viele Industriezweige wie der Maschinenbau haben massive Einbrüche erlebt und so steht Litauen vor einem Strukturwandel in der Wirtschaft. Auch die litauische Fluggesellschaft überlebte die Krise nicht und musste Anfang 2009 aufgrund finanzieller Engpässe den Betrieb einstellen. Nach Litauen gelangt man nun von Deutschland aus am einfachsten mit der Lufthansa per Direktflug ab Frankfurt. Nach zwei Stunden landet man auf dem zentrumsnahen Flughafen in der Hauptstadt Vilnius.
Ist man von den Reisestrapazen etwas geschwächt, so kann man sich erst einmal mit landestypischen Spezialitäten stärken. Litauisches Essen ist vor allem deftig, nahrreich und nicht unbedingt etwas für ein Diätprogramm. Wer also plant abzunehmen, der sollte sich dies erst für nach den Urlaub vornehmen. Viele der heimischen Spezialitäten sind aus Kartoffeln. Neben den Kartoffelpfannkuchen sind vor allem die „Cepelinai“ eine Art mit Hackfleisch gefüllte Kartoffelknödel in Zeppelin-Form, die für gewöhnlich mit Speck und saurer Sahne serviert werden, so etwas wie ein Nationalgericht. Manche der hier lebenden Minderheiten haben noch eigene typische Gerichte, wie die Karäer mit ihren Kibinai, so etwas mit Piroggen mit unterschiedlichen Füllungen. Doch Vorsicht beim Genuss dieser Spezialität: das Essen der Kibinai ist nicht ganz einfach, da immer wieder heißer Fleischsaft beim Reinbeißen rausspritzt. Aber, Hauptsache es schmeckt! Keine Sorge, für den Verdauungsschnaps danach ist in Litauen auch gesorgt. Eine Vielzahl an Hochprozentigem (vom Kräuter- bis hin zum Honiglikör) beruhigt den Magen. Für die Freunde des Gerstensafts stehen viele kleine Hausbrauereien zur Verfügung, die ihre eigenen einzigartigen Sorten brauen.
Wer darauf hofft, das ein oder andere aus dem Litauischen ableiten zu können und zu verstehen, der wird enttäuscht werden. Litauisch ist eine baltische, indogermanische Sprache, die ansonsten in Europa nur dem Lettischen ähnlich ist. Eine Verwandtschaft besteht auch zu Sanskrit. Als Besucher muss man sich in Vilnius und Kaunas in erster Linie mit Englisch verständigen, weiter im Westen im ehemaligen Memelland ist auch Deutsch noch mehr verbreitet. Sollte doch einmal alles nichts helfen, so muss man sich eben mit Händen und Füßen bzw. mit Lautmalerei verständigen. So heißt Bahnhof in der Sprache der Taxi-Fahrer „tschuck-tschuck-tschuck“. Irgendwie versteht man sich dann schon...
Universal ist auch die Sprache Gottes und die Religion spielt in Litauen noch immer eine ganz wichtige Rolle. Die große Mehrheit der Litauer gehört dem katholischen Glauben an und dies nicht nur auf dem Papier, sondern auch im Herzen. Läuft man beispielsweise an einem Sonntagmorgen durch die Straßen von Kaunas, so sind diese fast leer. Wirft man dann einen Blick ins Innere der Kirchen, so beantwortet sich schnell die Frage, wo nur all die Leute sind. Litauen musste sich nach der sowjetischen Zeit das Recht auf die Kirche erst wieder zurückerobern - vielleicht auch ein Grund dafür, dass diese hier noch einen größeren Stellenwert haben. So wird für die Kirchen auch kein Eintritt verlangt, denn in erster Linie sind es Gotteshäuser und keine architektonischen Sehenswürdigkeiten. Viele Kirchen und Klöster wurden während der Sowjetzeiten zweckentfremdet als Lagerraum, Ausstellungshalle oder als Heilanstalt für Nervenkranke.
Diese Funktion hatte zwischenzeitlich auch das Kloster Pazaislis am „Kaunaser Meer“. So blickt das Kloster auf eine wechselvolle und zum Teil verlustreiche Geschichte zurück. Wie die Schwester des heute wieder hier lebenden Ordens des Heiligen Kasimir bei der Führung mitteilt, wurde vieles von „Napoleon genommen“ oder von den „Russen kaputt gemacht“. Die Leidenschaft, Liebe und Herzlichkeit mit der die Schwester durch das Kloster führt, macht den Besuch im barocken Gesamtkunstwerk Pazaislis zu einem unvergesslichen Erlebnis!
Einzigartig ist auch die Vielfalt an Sakralbauten unterschiedlichster Stile und Zustände auf engstem Raum in der Hauptstadt Vilnius, deren Altstadt von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt wurde. Neben der faszinierenden Barockkirche St. Peter und Paul und der Kathedrale im Stadtzentrum, die genau wie das Ausros Tor mit seinem Marienbild in hellem Glanz erstrahlen, finden sich auch Gotteshäuser, die in den letzten Jahrzehnten nicht oder nur wenig renoviert wurden, aber nichtsdestotrotz in ihrer Funktion als Treffpunkt für die Gemeinden aktiv sind. Alleine mit der Besichtigung der Kirchen in der Vilniuser Altstadt ließen sich problemlos mehrere Tage füllen, ohne dass man Gefahr laufen würde, dass es eintönig würde.
So beeindruckend und faszinierend die Bandbreite an Kirchenbauten ist, so befremdlich scheint der ein oder andere Brauch zur Weihnachtszeit. In zum Teil grellen Lichtern blinkende Weihnachtsbäume mögen auf dem Marktplatz noch Geschmacksache sein, in den Kirchen jedoch mutet es für unsere Augen doch sehr seltsam an, wenn direkt neben barocken Skulpturen ein blau-blinkender Weihnachtsbaum für die passende Diskobeleuchtung sorgt... Aber, andere Länder, andere Sitten...

Doch die touristischen Sehenswürdigkeiten Litauens beschränken sich bei weitem nicht nur auf die Sakralbauten. Neben dem weltberühmten Berg der Kreuze bei Siauliai, zählt auch die Wasserburg von Trakai zum Pflichtprogramm eines jeden Litauenbesuchers. Die nur über Brücken zu erreichende Anlage beherbergt im Inneren eine Ausstellung über die Burg, die eng mit der Geschichte des Landes verbunden ist. Besonders schön ist der Innenhof mit seinen Holzgalerien. Ebenfalls über viele Innenhöfe verfügt die Universität von Vilnius, eine der ältesten Europas. Im Inneren verbergen sich hoch interessante kunstvoll ausgestaltete Räume. Eine einzigartige Landschaft erwartet den Besucher an der Kurischen Nehrung. Die endlosen Wanderdünen suchen ihresgleichen. Zahlreiche Spuren der deutschen Vergangenheit und das Thomas-Mann-Haus locken viele Besucher gerade aus Deutschland in den Westen Litauens. Die Ostsee spült auch das „Gold des Baltikums“ - den Bernstein - an die Küste. Besonders beeindruckend sind die Bernsteine mit pflanzlichen und tierischen Einschlüssen.
Was in den Zentren der beiden größten Städten Litauens - Vilnius und Kaunas - auffällt, ist die niedrige Bauweise der Häuser ohne viele Stockwerke. In Vilnius ist dies darauf zurückzuführen, dass es hier nie eine Mauer gab, die den Platz beschränkte und man somit nicht in die Höhe bauen musste. Für denjenigen, der durch die Straßen schlendert, hat dies einen positiven Effekt. Man fühlt sich nicht zwischen Häusern eingezwängt und sieht auch noch viel vom Himmel. Irgendwo ein Gefühl von Freiheit! Dieses Freiheitsgefühl ist zentraler Bestandteil der Republik Uzupis, die sich mitten in Vilnius gegründet hat. Sogar der Dalai Lama ist ein Botschafter und Ehrenbürger von Uzupis. Litauen zeigt sich als tolerantes und weltoffenes Land und die Litauer machen es einem leicht, schnell ein freundschaftliches Verhältnis aufzubauen. Eine sonst oft übliche lange Anlauf- bzw. Aufwärmzeit entfällt. Wenn man Litauer trifft, so hat man schon nach wenigen Minuten das Gefühl, dass man sich schon seit langer Zeit kennt.
Es gibt also eine Vielzahl an guten Gründen für eine Gruppenreise nach Litauen. Eine Sightseeingreise mit oder ohne Lettland und Estland ist genauso möglich wie spezielle Themen-Gruppenreisen z.B. zum Bereich Landwirtschaft (auch hier können wir Ihnen ein abwechslungsreiches Fachprogramm ausarbeiten), Geschichte, religiöses Leben oder Natur. An guten Hotels mangelt es nicht. Die meisten Hotels sind relativ neu gebaut oder wurden erst kürzlich renoviert. Die Zimmer sind mit allem Komfort ausgestattet, den man erwarten kann. Mit einer deutschsprachigen Reiseleitung an Ihrer Seite, wird es auch keinerlei Verständigungsprobleme geben. Die Währung ist (noch) der Litas, der mit einem Umrechnungskurs zum Euro von 3,5:1 auch die Fähigkeiten im Kopfrechnen trainiert.
Dies alles ist nur ein kleiner Eindruck von einem überraschend vielfältigen Land mit äußerst sympathischen und gastfreundlichen Bewohnern. Doch kommen Sie am besten selbst und machen Sie sich Ihr eignes Bild. Begeben Sie sich auf Entdeckungsreise nach Litauen!
In diesem Sinne:
„Iki greito pasimatymo Lietuvoje! Bis bald in Litauen!“
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